aquarell, ölkreide, farbstifte, auf büttenpapier, 87 x 61 cm, 2026
aquarell, ölkreide, farbstifte, auf büttenpapier, 87 x 61 cm, 2026
aquarell, ölkreide, farbstifte, arcylfarbe, auf karton, 100 x 70 cm, 2004/2005
oben
neue arbeiten aus 2026 auf 250 g büttenpapier
unten
arbeiten von 2004/05 auf 300 g starkem karton
aquarell, mit ölkreide, tusche, farbstiften und acrylfarbe und anderen materialien
aus einem Katalogtext von Rainer Beßling
In den grafischen Arbeiten von Jan Carstensen entstehen die Formen aus dem Figürlichen. Der Künstler zeichnet nach dem menschlichen Körper und geht mit dem
Block vor die Landschaft. Dieses Bekenntnis zur konkreten Naturanschauung ist
aufschlussreich, denn viele Blätter deuten eher auf eine informelle, gestische Niederschrift
hin. Doch Carstensen setzt die freie Imagination nicht absolut. Die Wirklichkeit
liefert eine Vielfalt, die sich annäherungsweise finden, die sich aber nicht
erfinden lässt. Der Kopf bietet nicht ausreichend Speicherplatz für den natürlichen
Reichtum an Gestalt. Ohne konkrete Naturanschauung verarmt die künstlerische
Entwurfs- und Gestaltungskraft.
Die Form der Skriptur – Schreiben, Schriftkörper, Schriftstück in einem – tritt als
Symbol für den Übergang vom Ungreifbaren zum Erfassten, vom Ungeformten zum
Gestalteten auf. In ihr manifestiert sich Niederschrift als Befragung des Gegenstands
und des Autors selbst. Diese spricht in Carstensens Zeichnungen im Tonfall
vitaler Mitteilung, in der Unmittelbarkeit und im Rhythmus von Farben und Linien,
im Wirbel der Zeichen. Das malerische und zeichnerische Material durchströmt den
Raum. Es offenbart die spontane Übersetzung des Wahrgenommenen ebenso wie die
Impulsivität des Ausbruchs innerer Bilder nach langem Gärungsprozess.
Der Künstler ist der erste Adressat seiner Arbeiten. Indem er Wille und Zufall, Kalkül und freie Geste zusammenspielen lässt, vermeidet er die Langeweile der Vorhersehbarkeit. Allerdings zeichnet er auch gegen die Beliebigkeit und die Selbstgenügsamkeit im Esoterischen. Es dominiert die informelle Faktur, aber es fehlen
die großen, ausholenden, Pinsel schwingenden Gesten. Zeichnung soll Komposition
sein, als solche erkennbar, kontrolliert wirksam. In einer Mischung aus bewusster
und unbewusster Strichführung vertraut der Künstler den Bildern an, was nicht
gesagt werden kann. Frei und spontan greift er auf das eingelagerte Formenrepertoire angesichts neuer Wirklichkeitsimpulse zu. Häufig schleicht er lange um das
Papier herum, um dann aus einem bestimmten, schwer planbaren Moment heraus
zu arbeiten. Ein intensiver, anstrengender Werkprozess. Mit der Arbeit in Serien
moduliert er seine Wahrnehmung, fächert er motivische Vielfalt auf und bindet sie
zugleich mit seiner individuellen Annäherungsweise zusammen.
Jan Carstensen zeichnet viel und meist schnell. Er schult den Blick, bildet Technik
aus, die klassische Schule, kein Tag ohne eine Linie. So sammelt sich ein großer
Vorrat an. Manche Arbeiten mögen an Gültigkeit einbüßen, weil sie vielleicht zu
schnell entstanden sind. Viele aber lassen erst später ihre Qualität erkennen. In
die Suche nach dem Unsicheren und Überraschenden ist das Scheitern als grundsätzliches
Problem eines jeden vitalen Aufbruchs mit in die Arbeit eingeschlossen.
Es bezeugt geradezu Lebendigkeit und den Willen zur Gestaltung.
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